Tick Tack

 

tick tack

tick tack

 

Bist Du bereit?

Jetzt wär die Zeit!

 

tick tack

tick tack

 

Welche Zeit?

Wieder soweit!

 

tick tack

tick tack

 

Beinah zu Spät!

Zeit vergeht!

 

tick tack

tick tack

 

Stellst Du Dir Fragen?

Hat schon geschlagen!

Wie die Welt

 

So Frei

wie die Welt

Gefangen ist

 

so Alt

wie die Welt

Neu geboren

 

Geliebt

wie die Welt

die die Schmerzen stillt

 

beginnt

jeder Tag

heut´ von vorn

 

so Schön

wie die Welt

die den Hass besiegt

 

so Wild

wie die Welt

sich bewegt

 

Geliebt

wie die Welt

die in Trümmern liegt

 

bist Du

wie die Welt

die versteht

Zu Spät!

 

Zu Spät

ist die Einsicht

in mich gekehrt!

 

hab´ mich

im Sinnen

im Denken geirrt!

 

Was waren

das Späße

was war das

ein sein!

 

Jetzt seh´ ich

den Fehler

im nachhinein

ein!

 

War nicht meine

Schuld

war nicht mein

Vergeh´n!

 

das wollen

wir manchmal

selber nicht

seh´n!

Von Dezember 2018 bis Mitte Februar 2019 war Andy Hagel mit seinem wunderschönen und künstlerisch gestalteten Minibüchlein "Tick Tack" Gast im Literaturautomaten. Kultur statt Kippe! Die Standorte in Krefeld, Düsseldorf, Bochum, Wuppertal, Stuttgart, Regensburg, Leipzig und Dresden findet ihr unter Literaturautomat.eu !

Sonnen Schein

 

Sonnen Schein

den hab ich hier

und kaufe

davon

Brot und Bier !

 

Dann esse ich

trink ich

soviel Licht

 

den Schein zu

essen

gibt es nicht !

 

Zerreißen ja ,

das könnt´ ich ihn

doch hungern

wäre

viel zu

schlimm!

Show Star

 

bei keinem Skandal

dabei...

 

immer im Licht!

immer frei?

Ist der Ruf erst...

Dann lebt´s sich´s!

 

ohne Schattenseiten

und

immer glücklich,

 

durchaus tranzparent

manchmal verrückt

und doch

Bodenständig

 

wenn man´s richtig macht!

 

Am Ende

bleibt das

Armenhaus!

 

wenn man´s richtig macht!

 

Regen Tanz!

 

Regen tanz !

Ich zeig´s ,

ich kann´s !

 

Die Arme breit ,

die Füße frei

und bin dabei

mich immer weiter

zu verlieren ,

 

will den Sinn

des Lebens

spüren !

 

Tropfen fallen

auf die Erde !

Immer schneller

ich dann werde !

 

Kann ich

durch die Lüfte

schwimmen ,

werd´ ich eins

mit meinen

Sinnen !

 

 

Im Oktober 2015 wurde Andy Hagel´s Gedicht "Hei Mat!" im Rahmen der ARD Themenwoche "Heimat" im Teletext veröffentlicht und prämiert! Andy Hagel trinkt heute noch gerne aus einer seiner Lieblingskaffeetassen - der mit dem ARD Logo :-) !!!

Tag Traum!

 

Phantasie!

 

Zeig mir den

Traum!

 

Zeig mir den

Tag,

an dem ich seh´

was ich gern hab´

 

Zeig mir den

Wunsch!

 

Was mir gefällt!

Ich träum am Tag!

 

Von einer Welt!

 

... die sich versteht

... in der man sich liebt

 

Von einer Zeit

die es bald gibt?

 

Tag Traum?

Hei Mat!

 

Alles klar?

Ja wunderbar!

 

Wo geht´s hin?

Nach mittendrin!

 

Was gibt´s da?

Hei, alles klar?

 

Du auch hier?

Wie geht´s Dir?

Mir gefällt es hier!

 

Wollen wir?

Sollen wir?

 

Kommste mit,

sind wir zu dritt!

 

Keine Zeit!

Na bis dann!

 

Selber Platz?

 

Nein, bei Mats!

Gold Fisch

 

Ein Goldfisch schwamm

durchs klare Wasser.

War auf der Suche

nach dem Sinn!

 

Wust´ nichts zu sagen,

ohne Worte,

schwamm er

zu seiner Liebsten hin!

 

Sie blickt ihn an,

ganz ohne Zweifel

und gab ihm einen

dicken Kuss,

 

da fiels dem Fisch

auch sofort ein,

nun hatte er

den Sinn gewusst!

 

Jetzt schwimmen beide

ohne Worte,

doch kennen sie 

ihr Lebensziel!

Neben Gedichten verfasste Andy Hagel auch etwa 100 meist deutschsprachige Liedtexte welche Musiker und Produzenten bei PremiumLyrics.com einsehen und sich ihrer annehmen können!

Hier der Link zu den Liedtexten!

Düsseldorf Musiker

Bücher von Andy Hagel

Die Eintagsfliege

 

„Oh, was für ein wunderschöner Tag!“, sprach die Eintagsfliege zu sich selbst. Aus dem Raum ertönte eine laute Stimme: „Es wird dein erster und dein letzter sein!“

„Wer war das?“, sprach die Fliege und setzte sich ans Fenster. „Das ist nicht wichtig,“ ertönte die laute Stimme, „wichtig ist nur, was ich dir zu sagen habe!“

Die Eintagsfliege blickte sich um. Einzig ein helles Licht schien durch das Fenster.

„Du wirst heute den Sinn des Lebens erkennen.“ Die Stimme holte tief Luft. „Das, wofür manche Monate, Jahre brauchen, manche ein ganzes Leben, das wirst du heute für dich verbuchen!“

„Den Sinn des Lebens?“, die Fliege dachte nach.

„Den kenn ich schon!“, auf einmal war der Fliege alles klar. „Hier fliegen bis die Klappe fällt!“ „Aber,“ sprach die laute Stimme, „aber was kommt dann? Stellst du dir nie die Frage ob es erstrebenswert ist, einfach so von der Wand zu fallen, ins Licht zu fliegen oder nach einem lauten Knall im Küchenofen zu landen?“

Die laute Stimme wurde sanft.

Die Eintagsfliege erhob sich und machte Anstalten einfach so los zu fliegen. „Ich muss nachdenken!“, sprach sie und hob ab.

Sie flog inmitten des Raumes und drehte schnell ein, zwei Runden. „Es ist so oder so,“ sprach sie und drehte sich, „ob die Welt sich im Kreis dreht oder eine Scheibe ist, eins ist sicher.“

„Was?“, fragte eine nun sanfte Stimme.

„Der Sinn bleibt gleich.“ sprach die Fliege und nahm wieder unter der Decke platz. „Heut´ morgen wußt´ ich schon, dass heute die Klappe fällt. Und dann kamst Du! Willst mir den Sinn des Lebens erklären und dabei muss den Sinn jeder für sich entdecken! Auch wenn er gleich bleibt, so ist er doch jedem seine Sache!“

Im Raum grummelte es. Das Atmen wurde lauter und plötzlich waren Schritte zu hören. Die Fliege dachte nach. Was würde wohl kommen?

Den Knall hatte sie vorhergesehen. Platsch.

„Vorlautes Ding!“ war das letzte was sie hörte ehe sich der Ofen öffnete.

 

 

Über den Wolken

 

Er blickte aus dem Fenster des kleinen Flugzeuges. Am Horizont war alles hell erleuchtet und soweit sein Auge sah, lag die weiße, flauschige Wolkendecke unter ihm.

 

Gerade eben noch hatte er im Geiste das Vater Unser aufgesagt. Nur so, damit alles seinen geregelten Gang ging, war er auf Nummer sicher gegangen und hatte gebetet.

Nun ließ er seinen Blick über die Wolken schweifen. Vor zwei Tagen noch hatte er am Alexanderplatz gesessen, Kaffee getrunken und den frechen Spatzen beim betteln zugesehen.

 

Die Spatzen in Berlin waren dreister als in anderen Städten. Vielleicht hatte man sie vor Generationen schon angefüttert und die jungen Spatzen machten es nun den alten nach.

 

Nachdem er seinen Kaffee getrunken und sich über die Spatzen amüsiert hatte, war er den Fernsehturm hinauf gefahren um sich die Stadt von oben anzusehen. Der Blick über die Hauptstadt war spannend gewesen. Er hatte viele Eindrücke gewonnen. Der Blick aus dem Flugzeug jedoch war unvergleichlich schön. Hier oben fühlte man sich fast wie ein Engel.

 

Er fragte sich, wie die alten Maler das gesehen hätten. Das Sonnenlicht reflektierte auf der Wolkendecke und die zwei Propeller des Flugzeuges drehten sich unentwegt in Richtung Heimat.

Er freute sich. Er freute sich etwas erlebt zu haben und er freute sich bald wieder zu Hause zu sein.

Wie hatte das Mädchen mit den roten Schuhen in dem alten Film einst gesagt, es ist nirgendwo schöner als zu Haus!

 

Langsam schob sich das Flugzeug vorwärts. Er würde applaudieren wenn er gelandet war. Vor wenigen Jahrzehnten wäre das üblich gewesen. Er würde applaudieren. Er würde applaudieren wie als er verstanden hatte jemanden etwas denken zu lassen. Mathematik.

Sieben plus acht ist gleich? Was muss der Schüler denken? Richtig! Sieben plus acht ist gleich fünfzehn. Das muss der Schüler denken. Was wenn nicht?

 

Hier über den Wolken schien es egal zu sein. Lehrer hingegen waren sicher enttäuscht wenn die Vorhersagen nicht eintrafen. Konnte man früher vielleicht vorhersagen dass die Spatzen auch noch in hundert Jahren auf die Stühle und Tische fliegen würden, wenn Sie erst einmal angefüttert waren?

 

Im Sinkflug kam die Wolkendecke immer näher. Gleich würde er sicher landen. Die Spatzen am Alexanderplatz würde er nicht vergessen, doch gleichwohl würde er froh sein gleich wieder zu Hause zu sein. Es wurde weiß vor dem kleinen Fenster. Genau jetzt flog er durch eine Wolke.

Er kannte das. Vor zwanzig Jahren war er schon einmal geflogen. Auch damals war es weiß vor dem Fenster gewesen.

 

Die Maschine sank langsam dem Boden entgegen. Gleich würde er die Erde sehen. Die grünen Wiesen, die Bäume und Wälder, den Vater Rhein und die Häuser der Stadt. Er würde auf die Spatzen achten. Er würde schauen ob sie woanders auch so frech waren wie am Alexanderplatz.

 

 

Fortuna

 

So lange er denken konnte, so lange er sich erinnerte, hatte er kein Lieblingswort gehabt. Er wanderte die schmale, asphaltierte Straße aus dem Oberdorf heraus und machte sich auf den Weg in das Unterdorf, wo das Haus seines Opas stand.

 

„Ob ich Glück im Leben haben werde?“ Er dachte nach. Fortuna. Ihm gefiel das Wort. Warum, das wusste er nicht mehr, doch es war ein sehr schönes Wort.

 

„Ich will viel Glück im Leben haben!“, dachte er bei sich und spazierte langsam weiter. Bis zum Haus von Oma und Opa waren es nur ein paar hundert Meter.

 

Er versuchte zu pfeifen. Pf., Pf., Pf., Fortuna!

 

Fortuna im Sinn lief er langsam die Straße entlang. „Was bedeutet Glück eigentlich?“, wieder dachte er nach. Er fragte sich, ob es Egoistisch sei, Glück zu haben.

 

Aber warum ihm dieses Wort so gefiel war ihm in dem Moment nicht bewusst. Nur das man Fortune braucht. Das wusste er. Ohne Fortune macht das Leben keinen Sinn.

 

Das Haus seiner Großeltern war schon in Sichtweite und Fortuna bereits ein geflügeltes Wort. Er wünschte Glück! Fortuna, eine Göttin! Er wünschte aller Welt Glück! Das war besser als es nur sich zu wünschen!

 

Sein neues Lieblingswort ging aber auch leicht von den Lippen. Ob er wirklich Glücksritter werden wollte?

Fortuna!

Fortuna sei dank!

 

Er betrat das Haus seiner Großeltern. Seine Oma saß in der Küche und sagte: „Guck mal in den Kühlschrank!“

Er öffnete die Tür und blickte auf das kleine Schälchen mit Heidelbeeren. Gezuckert und mit Milch übergossen. „Für dich, mein Junge!“

 

Fortuna hatte gesiegt, das war klar, zumindest für heute.

 
 
 
 
 

 

"Der Schuh ohne Fußabdruck" zeigt einunddreißig wunderbare und fabelhafte Geschichten von Andy Hagel. Ob Erzählungen von einem vierblättrigen Kleeblatt, einem Jungen und einem Mädchen, einem Fußballspiel, Fortuna oder einem Tor das umfällt, dazu die Geschichte vom weißen Hirsch oder dem Rat des Mondes, diese Sammlung kurzer Geschichten ist kurzweilig, spannend und interessant. Ein Lesevergnügen aus einem nicht ganz so alltäglichen Leben.

Das Kleeblattfeld

 

Langsam stieg er die alten, rostigen Treppen herab in den großen Garten. Die Sonne im Juli schien warm zur Mittagszeit und kein Wölkchen trübte den Himmel.

Der geschotterte Weg durch den Garten war verziert von Unkraut und keiner der Bewohner machte Anstalten sich zur Gartenarbeit hinreißen zu lassen.

Gesenkten Hauptes schritt er über die grüne Wiese entlang des meterhohen Zaunes. Mit seinem Blick musterte er das Grün, ohne zu wissen, dass er wieder auf der Suche war.
Mit scharfen Blick nahm er die Konturen der kleinen Blätter wahr. Langsam, ganz langsam, setzte er einen Fuß vor den anderen. Plötzlich blieb er stehen und hielt inne.

Es schien, als hatte er gefunden, was er suchte. Noch während er sich zum Boden beugte, begann er zu lächeln. Vorsichtig nahm er das Kleeblatt zwischen Daumen und Zeigefinger und zupfte es von der Wiese.

Bewundernd betrachtete er das Kleeblatt und begann, die Blätter zu zählen. Eins, zwei, drei, vier. Heureka! Er erhob sich und begab sich in den Gemeinschaftsraum, um den anderen Bewohnern seinen Fund kundzutun.

Er brachte das Kleeblatt in sein Zimmer und legte es vorsichtig zwischen die Seiten eines dicken, Heiligen, Buches. Das war ihm noch nicht passiert, zwanzig Jahre hatte er immer wieder jede Wiese genauestens unter die Lupe genommen, doch gefunden hatte er bisher nur ein altes, in einem Buch getrocknetes, vierblättriges Kleeblatt.

Während er über seinen Fund sinnierte, beschloss er, auf die Wiese zurückzukehren. Seine Neugier war geweckt, waren da vielleicht noch weitere Glücksbringer zu finden?

Er suchte und lief langsam, den Blick auf den Boden gerichtet, zurück zur rostigen Treppe. Da sah es schon so aus, als hätte eines vier Blätter, da entpuppte sich so manches Blatt als Täuschung. Doch, hier war wieder eines. Vorsichtig betrachtete er seinen erneuten Fund. Gleich daneben schien sich ein weiteres vierblättriges Kleeblatt zu befinden.

Fasziniert blickte er sich um. Nun nahm er erst das eine, dann das andere Kleeblatt. In der nachfolgenden Zeit, den nachfolgenden Tagen, versuchte er es immer wieder aufs Neue und wurde tatsächlich auch immer wieder fündig.

So kam er nach ein paar Tagen auf die stolze Zahl von dreizehn vierblättrigen Kleeblättern. Dreizehn dieser ach so seltenen Glücksbringer.

Er dachte nach. Was würde der Mond dazu sagen? Sicher kannte er die Weisheiten um das Kleeblattfeld. Das Erste solle man pflücken. Das Zweite vielleicht verschenken. Das Dritte ließ man stehen, um es jemandem zu zeigen. Das Vierte solle der finden, der es suchte.

Nun, er hatte dreizehn Kleeblätter zwischen den Seiten seines Buches. Hatte er alles falsch gemacht, als er diese von der Wiese gepflückt hatte? Das hätten ihm Sonne und Mond ja auch mal vorher sagen können!

Trotzdem, zufrieden betrachtete er immer wieder seine Funde, er hatte schon als kleines Kind allen Glück gewünscht. Nun hatte er selbst welches gehabt. Ob die Menschen noch wussten, dass ein Kind drei Wünsche hatte, wenn es ein vierblättriges Kleeblatt fand? Den vierten Wunsch hoben die Alten, die Weisen, auf. Bis zur Hochzeit dann im Mannesalter.

Der rote Planet


Es war Winter geworden. Spät abends stand er, hoch oben auf dem kleinen Balkon, in der Kälte. Sein Atem wurde in der kalten Luft zu weißem Nebel und er fragte sich, wie es mit der Welt weitergehen würde.

Die alten Glühbirnen an der Decke des Wohnraumes hatten geheimnisvoll geflackert, doch er selbst zählte nicht zu den abergläubigen Leuten der Stadt.

Dass sich sein ganzes Leben im Kreis drehte, war ihm nicht bewusst und nun blickte er an den wolkenfreien Sternenhimmel. Das Licht des Mondes erhellte die umliegenden Häuser sanft und über seinem Kopf drehte sich der große Wagen am Himmel.

Wenn er über das Leben nachdachte, war ihm immer eines klar gewesen. Die Welt hatte sich verändert und doch war alles so wie immer.

Dass die Menschen schon immer neugierig in die Zukunft blickten, wusste er. Dass auch er irgendwann die Zukunft sehen könnte, daran dachte er nicht. Mit seinen Augen suchte er den Himmel ab. Während er sie zusammenkniff, war es ihm, als bewege sich der Himmel.

Im Großen Wagen erschien ein Bild. Dass es sich um eine Halluzination handeln musste, war ihm sofort klar. Dass das Bild eines großen, roten Planeten durch den Hall entstand, konnte er noch nicht erklären. Alles Hypnose!

Klar war ihm das, nur sagte er besser erst einmal nichts dazu! Welcher Planet ihm da erschienen war, wusste er erst, als er sich Jahre später erinnerte. Der Mars. War er nicht einst Kriegsgott gewesen?

Er genoss den Anblick. Selten und besonders. Nicht von dieser Welt, das war sicher. Hatten die Weisen vor Tausend Jahren vielleicht auch solche Zeichen?

Er, der in seiner Mitte war, er, der seit Kleinauf nicht belehrt worden war. Sicher in Zeiten der Aufklärung würde man keinen Krieg mehr Vorhersagen, höchstens einen Streit. Die Welt würde sich streiten. Gründe dafür waren immer zu finden.

Er dachte an den Weltenplan und die großen Friedensringe, welche irgendwann in der Zukunft gebaut werden würden ...

 

Das goldene Kreuz

 

Er war nicht nach Hause gegangen. Er hatte eine Straße vorher beschlossen noch ein wenig durch die Nacht zu wandern und frische Luft zu schnappen. Er war rechts abgebogen und hatte aus irgendeinem ihm unbekannten Grund den Weg auf den Berg gewählt.

Von weitem blitzte und blinkte es und nun steuerte er auf die Stelle zu, welche ihn magisch anzog. Er blickte auf den Boden. Nun war ihm klar, warum er noch nicht nach Hause gegangen war. Er bückte sich und hob das zierliche Kreuz auf. Zwischen seinen Fingern funkelte es golden und er fing an zu tanzen, während er seinen neuen Schatz gen Himmel hob.

Als er klein gewesen, hatte seine Oma ihm eine Maria geschenkt. Die Kette mit dem silbernen Anhänger war verschwunden, als er zum Mann geworden war. Nun hielt er Gottes Segen in der Hand. So musste sich Andreas gefühlt haben. Die Mönche in den Wirtshäusern hatten ihm im ganzen Land Kreuze ausgelegt.
Zu jeder Kirche gehörte ein Täufer, ein paar Mönche, und eben das Wirtshaus. So manches wurde früher direkt von einem Mönch bewirtet. Früher zumindest. Manchmal verstand das Dorf aber auch nicht mehr, was es dort tat.

Eines ergab Sinn. Wenn der erstgeborene Enkel Amtsschüler des Täufers wurde, mussten die Mönche bei der Weihe helfen. In der Kirche war es zu kalt, da war es im Wirtshaus schon wärmer. Er musste lachen. Bald sollte er das Amtshaus des Täufers verstehen, nur wusste er noch nichts davon.

Im Laufe seiner Amtszeit bekam der Täufer mehrere Amtsschüler auf die Hand. Beim ersten war der Täufer meist noch Jung und unerfahren, dann war er schon ein wenig weiser und später doch zu Alt seinem letzten Amtsschüler alles zu erklären. Dies mussten dann die Mönche übernehmen, einer von ihnen hatte die Weihe zu vertreten.

Aus jedem Dorf war ein Andreas losgezogen. Losgezogen in die Welt und manchmal auch neun Dörfer weiter. Wenn dort drei Mönche im Gewerk arbeiteten, stellten sie ihn ins Wirtshaus, ließen ihn die Bibel lesen, machten ihn betrunken und gaben ihm ein Kreuz. Meist waren alle Arm und das Kreuz war aus Holz geschnitzt, dann dachte so mancher, Andreas sei auf dem Holzweg.

Manchmal, aber nur manchmal, konnten sie ihn auch lehren Kreuze zu verteilen. In großen Dörfern oder Gewerken konnte er Abt werden, wenn es schlecht lief, gab es Streit darum, wer Bischof werden sollte, Andreas oder Thomas. Oft hatte Thomas die Rolle des Weihbischofs übernommen und ihm den Lichtgarten der Kirche gezeigt.

Es war schon eigenartig, dass im ganzen Land die Tafelrunden zusammenkamen. Jesus und seine Apostel oder König Arthur und Camelott. Heute schien alles fern zu sein, in keinem Wirtshaus traf man noch auf eine Tafelrunde.

Nun hielt er sein Kreuz in die Luft.

 

 

Andy Hagel´s Taschenbuch "Die Blumenhand" - 31 bunte und blumige Geschichten erzählt von "Fröschen, Tulpen und Lebensblumen". Neben der Geschichte "Das goldene Kreuz" findet der interessierte Leser auch die Erzählungen "Der Bienenkönig", "Der Regentanz", "Das Aquarium des Kaisers" sowie weitere Geschichten wie "Go West" oder "Der Bettler". Dieses Buch ist kurzweilig, interessant und lesenswert!